Kennst du das? Du kommst mit einem vollen Erntekorb aus dem Garten in die Küche: Tomaten, Zucchini, Bohnen und noch ein paar frische Kräuter. Alles ist wunderbar reif und will am besten jetzt gleich verarbeitet werden.
Doch in der Küche stapeln sich schon die Schüsseln und um Kühlschrank ist längst kein Platz mehr. Und da stehst du nun und fragst dich: Wie soll ich das alles bloß schaffen, ohne dass etwas verdirbt?
Das Gefühl, dass alles aus dem Ruder läuft, kennt wohl jeder der einen Selbstversorgergarten hat. Aber was mir in dieser Situation hilft, ist einen Plan zu haben. Dann kann ich auch einen kühlen Kopf bewahren.
In diesem Artikel nehme ich dich mit vom Selbstversorgergarten zur gut gefüllten Vorratskammer. Ich zeige dir, welchen Einfluss deine Anbauplanung auf die spätere Ernte hat und dass eine gute Vorratshaltung nicht erst beim Einkochen oder Einfrieren beginnt. Damit du diesen Sommer ohne Stress, aber mit viel Freude deine Ernte haltbar machen kannst.
Selbstversorgergarten planen

Ein Selbstversorgergarten lebt davon, dass du nicht nur in den Sommermonaten eine bunte Auswahl an Gemüse erntest, sondern auch für den Rest des Jahres vorsorgst. Dabei solltest du bedenken, dass sich nicht jedes Gemüse gleichermaßen für die Vorratshaltung eignet. Deshalb lohnt es sich bei der Gartenplanung zu unterscheiden:
- Frisches Gemüse: alles was du frisch verzehrst wie z.B. Salate und Radieschen
- Gemüse zum Haltbarmachen: alles was du frisch verwenden, aber auch sinnvoll haltbar machen kannst wie z.B. Tomaten, Erbsen, Bohnen, …
- Lagergemüse: Dieses Gemüse kannst du bei passenden Bedingungen, über einen längeren Zeitraum einlagern, ohne es haltbar zu machen wie z.B. Kartoffeln, Kürbis, Karotten oder Rote Bete.
Wieviel du aus den einzelnen Kategorien in deinem Selbstversorgergarten anbaust, hängt also davon ab, was du gerne isst, ob du dein Gemüse gerne haltbar machen möchtest und ob du geeignete Lagerbedingungen hast.
Grundsätzlich gilt: Bei Gemüsesorten, die du sinnvoll haltbar machen oder einlagern kannst, macht es Sinn größere Mengen anzubauen.
Ich versuche immer eine gute Mischung aus allen dreien hinzubekommen, wobei das Einlagern, mangels gut geeigneter Bedingungen bei mir einen kleineren Anteil hat.
Die Ernte sinnvoll verteilen
Um in deinem Selbstversorgergarten über einen möglichst langen Zeitraum frisches Gemüse ernten zu können, solltest schon bei der Anbauplanung über eine sinnvolle Verteilung der Erntemengen nachdenken.
Erreichen kannst du die Verteilung der Erntemengen über die sog. gestaffelte Aussaat. Schnell wachsende Gemüsesorten wie Salate oder Kohlrabi, kannst du über einen längeren Zeitraum regelmäßig aussäen. Je nach Bedarf ist ein Rhythmus von 2- bis 4 Wochen sinnvoll, aber dafür immer nur eine kleine Anzahl an Pflanzen.
Gemüsesorten mit einer mittleren Kulturdauer wie Buschbohnen, Karotten oder Brokkoli kannst du ebenfalls mehrfach aussäen. Hier hat sich eine gestaffelte Aussaat in zwei bis drei Phasen bewährt. Unterscheiden kannst du nach früher, mittlerer und später Aussaat.
Es macht dabei Sinn auf unterschiedliche Sorten zurückzugreifen. Frühe Karotten haben eine kurze Kulturdauer, eignen sich aber nicht für die Lagerung. Mittelfrühe und spätere Sorten, brauchen länger bis zur Erntereife, sind dafür aber robuster und können meist auch gut eingelagert werden.
Bei Pflanzen mit einer langen Kulturzeit wie z.B. Kürbis, Paprika oder Tomaten wird in der Regel nur einmal ausgesät, aber dafür dann ggfs. in einer größeren Menge. Da du hier nachträglich nicht viel anpassen kannst, ist es umso wichtiger sich schon im Vorfeld Gedanken zu machen, wie du die Ernte nutzen möchtest. Wenn du deine Ernte auch konservieren möchtest, dann
Gemüse haltbar machen – welche Methode passt zu dir?

Im Selbstversorgergarten geht’s nicht nur ums Säen und Gießen – sondern auch ums Verwerten. Am Besten suchst du dir ein oder zwei Methoden aus und fängst damit an. Was am besten zu dir passt, ist davon abhängig, was du gerne isst, aber auch wie viel Zeit und Lagerkapazität du zuhause hast. Typische Methoden zum Haltbarmachen sind:
- Einkochen z. B. passierte Tomaten, Apfelmus oder selbstgemachten Ketchup
- Einmachen z. B. Marmeladen oder selbstgemachte Fruchtsäfte
- Einfrieren z. B. Bohnen oder Rhabarber
- Fermentieren z.B. Sauerkraut, Karotten oder Chinakohl
- Trocknen z.B. Kräuter, Bärlauch, Tomaten oder eine bunte Gemüsemischung als Gemüsebrühepulver
Bei mir persönlich steht das Einkochen hoch im Kurs, ich friere aber auch einiges ein. Welche Konservierungsmethode zu dir und deinem Alltag passt, mussst du einfach ausprobieren. Wähle einfach ein oder zwei Methoden aus, die dir sympathisch erscheinen und baue dann darauf auf. Um am Ende zählt immer nur: Learning by Doing!
Mit Rezeptideen den Überblick behalten
Auf Instagram kommentierte kürzlich Followerin, dass sie Mangold angebaut hatte, aber dass sie davon nicht sehr angetan war. Wie sich später rausstellte, waren es aber eher die Ideen, die ihr fehlten, was man mit dem Blattstielgemüse so machen kann. Und so geht es bestimmt auch vielen anderen.
Gerade in den ersten Jahren probiert man im Selbstversorgergarten am liebsten ganz viel Neues aus. Damit dir nach der Ernte nicht plötzlich die Ideen zur Verwertung fehlen, kannst du ja schon mal im Voraus nach passenden Ideen suchen.
Schreib dir vielleicht eine Liste mit Rezeptideen auf. Das können Rezepte aus deinem Alltag sein, die du schon heute gerne kochst. Oder du suchst dir neue Rezepte aus, die du gerne ausprobieren möchtest. Solche Listen helfen dir, wenn dir im Alltag plötzlich doch die Idee fehlt, was du mit dem frisch geerntet Gemüse machen kannst.
Du möchest das Gemüse haltbar machen? Dann recherchiere, welche Konservierungsmethode dafür am besten geeignet ist. Suche am besten auch hierfür gleich passende Rezepte aus. Damit bist du bestens vorbereitet, auch wenn es im Sommer plötzlich eine Ernteschwemme gibt.

Ob im Anbau oder beim Haltbarmachen – man muss rausfinden, was zu den eigenen Vorlieben und Essgewohnheiten passt. Es passiert schnell, dass man ganz viele tolle Gläser im Vorrat hat, aber nichts davon im Alltag verwendet. Weil es nicht schmeckt oder nicht zu den sonstigen Essgewohnheiten passt.
Dann hilft nur eines: das Rezept wird nicht mehr wiederholt. Ich habe z.B. aufgehört sauer eingelegte Gurken einzukochen, weil sie bei uns einfach keine Abnehmer finden. Dafür kann ich nicht genug Gläser mit verschiedenen Tomatenprodukten herstellen – die gehen bei uns immer!
Vorratstagebuch führen – darum lohnt es sich
Der letzte Tipp, den ich dir geben möchte, mag ein wenig spießig klingen. Aber es ist aus meiner Sicht unerlässlich, wenn auch du in Zukunft eine gut gefüllte Vorratskammer aus deinen Gartenschätzen haben möchtest: Schreib ein Vorratstagebuch!
In meinem Vorratstagebuch trage ich die folgenden Daten ein:
- Wie viel habe ich wovon geerntet
- Was habe ich hergestellt
- Wie viele Gläser und in welcher Größe habe befüllt
Am Saisonende habe ich auf diese Weise eine gute Übersicht wie viel ich ernten konnte und wie viel für den Vorrat entstanden ist. Über die Jahre kann ich nun viel besser abschätzen, welche Mengen wir über den Winter benötigen und im Folgejahr evtl. meine Mengen anpassen.
Das Vorratstagebuch ist auch für den Anbau eine wichtige Informationsquelle. Du lernst mit der Zeit immer besser einzuschätzen, wie viel Vorrat du aus deiner Ernte herstellen kannst.
Selbstversorgergarten – mit Plan einen Vorrat anlegen
Ein Selbstversorgergarten entsteht nicht über Nacht. Er wächst und entwickelt sich über die Jahre weiter – genau wie du. Mit ein bisschen Planung und Spaß am Selbermachen, wird aus deinen Beeten Schritt für Schritt eine gut gefüllte Vorratskammer. Fang am besten noch heute an und schreib auf, was du diesen Sommer anbauen und haltbar machen möchtest.
Hast du schon Erfahrungen mit dem Haltbarmachen gesammelt? Oder bist du gerade erst dabei, deinen Selbstversorgergarten zu starten?
Erzähl’s mir gern in den Kommentaren – ich freu mich, von dir zu lesen!